2011 | Schattmatt

Programmheft
Programmheft

Zum Stück
 
Die Erkenntnis, dass wir alle Wesen sind, die auf dem «Boden unserer Ahnen» leben, gefällt mir sehr. Ob wir wollen oder nicht, sind wir aufs Engste in Gedeih und Verderben mit unserer Sippe verbunden. So, wie man da auf Wellen des Guten und Gesunden reiten kann, müssen wir auch die Vorstellung zulassen, dass verborgene Abgründe und Jauchegruben, wie weit sie auch zurück liegen mögen, ihre Energien ausüben. Knacks und Zwänge, Verdrehtes und Verhärmtes werden wie das Gute ebenso über Generationen weitergegeben. Und irgendwann brechen solche Ströme von «Unterweltsenergien» auf. Die Leidtragenden sind dann jene, die mit der eigentlichen Ursituation nichts zu tun haben. Darum können sie schwer verstehen, was und wie ihnen passiert. Aber irgendwann muss eben aufgearbeitet sein ...

 
Mit der Uraufführung von «Schattmatt» schaffen wir einen Theaterabend, der dem Roman «Die Schattmattbauern» von C. A. Loosli sehr nahe kommt. Wie der Titel schon sagt, geht es um eine Familiengeschichte. Diese zeigt sich auf unserer Bühne in verschiedenen Zeitwelten und über mehrere Generationen hinweg. – Loosli erzählt uns, wie sich ein urgesunder Mensch aus den Angeln hebeln lässt. Die eigentlich gut gemeinten Strukturen der Justiz helfen dabei ebenso wie die doppelzüngige Stimme des Volkes. Alle wollen, dass möglichst schnell ein Schuldiger dingfest gemacht wird. Dann könnte man zur Tagesordnung übergehen, im vermeintlichen Glauben, dem Bösen einmal mehr Einhalt geboten zu haben. Doch oft schickt diese simple Sichtweise von Täterschaft und Strafe einen neuen Impuls aus, der irgendwann nach Vergeltung oder Aufarbeitung suchen muss. Und so wird die übernächste Generation sich jetzt schon bedanken und sich wohl oder übel daran machen, hinzuschauen ...

 
Die Nähe zu Looslis Roman erreichen wir weiter dadurch, dass wir das Geschehen auf der Schattmatt sowohl auf einer epischen als auch auf einer spielerischen Ebene vorwärts treiben. In der Bearbeitung von Simon Ledermann gibt es zudem nicht nur einen Erzähler: Rund zehn Figuren sind es, die uns durch die Geschichte führen. Weil unser Sprechchor ohnehin als Vermittler zwischen der Gegenwart und der (Unteremmentaler) Vergangenheit fungiert, gibt er in einer eigentümlichen Mischung aus Männerchor, Jodelclub und Gesangsverein einige Ständchen: Lieder, die damals in Habligen besonders beliebt waren – beziehungsweise, besonders beliebt hätten sein können, hätte es sie schon gegeben. Tatsächlich basieren sie alle auf Gedichten aus C. A. Looslis Mundartgedichtband «Mys Ämmitaw» von 1911, die Christov Rolla, unser musikalischer Leiter, in volksliedhafter Manier vertont hat. Damit schliessen wir auch den Kreis zu Looslis schriftstellerischem Schaffen, das sowohl in der Hochsprache, in der der Roman verfasst ist, als auch in der Mundart seine Grösse hat.

Seite teilen
Auf Facebook besuchen
 
© Theatergesellschaft Stans 2018   |   Impressum   |   Seite drucken
Helfer gesucht
Hast du Lust bei uns aktiv mitzuhelfen?
mehr dazu...
Theaterblatt

Unser aktuelles Theaterblatt liefert Ihnen viele interessante Informationen rund um die Theatergesellschaft Stans.
Zur Download-Seite...