2010 | Frank der Fünfte

Programmheft
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Zum Stück

Eine Bank, die vor dem Ruin steht. Marode Pensionskassen. Mitarbeiter, die die Kasse plündern. Existenzangst. Erpressung von Kunden und Arbeitnehmern. Aktenschwindel, Bilanzfälschung, Versicherungsbetrug und die Pleite als rentabelstes Geschäft. Dies alles könnten Schlagzeilen aus der Tagespresse sein, sind jedoch die Themen, die in Dürrenmatts Stück «Frank der Fünfte». behandelt werden. Geschrieben hat er es vor fünfzig Jahren, in einer Umbruchphase seines Schaffens, einer Zeit, als er sich vom Gedanken verabschiedete, auf der Bühne könne Wirklichkeit nachgeahmt werden und propagierte, dass im Theater nicht Beobachtetes, sondern Erdachtes dargestellt werden soll. Inzwischen hat die Zeit ihn eingeholt und aus der Parabel Wirklichkeit gemacht. Die schlimmste aller Wendungen ist eingetroffen, und die Kritiker, die bei der Uraufführung behaupteten, dass es eine solche Welt nicht gäbe, sind eines Besseren belehrt worden.

Die grotesken Figuren aus der Frankschen Privatbank leben jenseits von gut und böse und haben die Umwertung der Werte verinnerlicht. Sie sind gefangen im Erbe der Väter, und nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Ihr Hauptstreben liegt darin, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Trotz Krise kann sich keiner vorstellen, auf sein Honorar zu verzichten oder bereits Angeeignetes zurück zu geben. Schamlos bedienen sie sich aus der Kasse. Die Tatsache, dass jeder einen Nachschlüssel zum Tresor besitzt und die gemeinsame Kasse geplündert hat, macht die Bank hilflos. Der Erpresser hat leichtes Spiel, weil jeder jedem misstraut. Nur die Sehnsucht nach einer besseren Zukunft hält die Figuren am Leben, die Hoffnung, dass eine neue Generation vor der eigenen Geschichte, den eigenen Gaunereien verschont bleibt. Mit der sechsten Generation der Familie Frank findet dann auch tatsächlich ein Paradigmenwechsel statt, die Verbrechen werden nicht mehr aus Bosheit gemacht, sondern mit effizienter Organisation, heute wird ehrlich einkassiert.

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