1975 | Lumpazi Vagabundus

Programmheft
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Der böse Geist Lumpazivagabundus

Das turbulente Geschehen wird von den zwei Feen Fortuna und Amorosa eingeleitet, die sich beim Feenkönig über den bösen Geist Lumpazivagabundus beklagen, der ihre Töchter und Söhne zu Nichtstun und Schlendrian verführe. In einer Wette zwischen der Glücksgöttin Fortuna und der Liebesgöttin Amorosa soll das Liebesglück ihrer Kinder davon abhängig gemacht werden, ob es misslingt, von drei lockeren Wandergesellen wenigstens zwei durch Geld zu bessern.

Überschüttet mit Reichtum wandern nun die drei Gesellen, die sich erst kurz zuvor beim Stadttor getroffen, ein jeder seines Weges. Der Schreinergeselle Liim kehrt heim zu Meister Hobelmann und trifft dort sein Annelie, das er vor zwei Jahren eines Missverständnisses wegen verlassen hatte, noch unverheiratet an. Der Schneidergeselle Faden lebt als Herr Neureich herrlich und in Freuden und tut alles, was er seinem Reichtum schuldig zu sein glaubt. Das führt ihn in verzwickte Situationen, denn er bleibt halt doch der kleine Schneidergeselle, dessen Besitz ins Nichts zerfliesst. Der ewig angesäuselte Schuehni aber begibt sich auf eine «Studienreise» in Astronomie und angewandter Wirtschaftskunde, wobei er sein ganzes schönes Geld in Schnaps und Wein verphilosophiert.

Im Hause Hobelmann treffen sich die zwei Iockeren Brüder mit ihrem Freund Liim zum Jahrestag ihres Glücks wieder. Noch einmal wird den zweien die Möglichkeit zum Neubeginn geboten. Der Schneider aber will nicht sesshaft werden, und der Schuehni glaubt weiterhin an den kommenden Weltuntergang, den ihm seine Sterne weissagen und bleibt dadurch willig dem Alkohol verfallen.

Da es somit Fortuna misslingt, mit Geld zwei der Wanderburschen zu ändern, steht der Liebe zwischen den Feenkindern nichts mehr im Wege. Die Fee Amorosa aber erbittet sich die vom Feenkönig ihrer Meinung nach zu hart bestraften Vagabunden. Ob es ihr gelingen wird, auch diese zwei durch die Macht ihrer Liebe zu bessern, bleibt in der Stanser Aufführung bewusst offen. Wir sehen im Schlussbild die beiden unverändert «liederlich» doch auf ihre Art glücklich, ihren Weg weitervagabundieren, ohne eine vielleicht spätere «Bekehrung» auszuschliessen.


Zur Inszenierung

Wir glauben, mit der diesjährigen Inszenierung Nestroys eigentlicher Aussage am werkgetreusten zu entsprechen, gestützt auf die Schriften des bekannten Nestroy-Kenners Otto Rommel:

«Zwar hatte man sich zu Nestroy’s Zeit geradezu daran gewöhnt, vor dem letzten Fallen des Vorhanges so ziemlich jedes, aber auch jedes Versagen zu verzeihen und durch hilfreiche Geister oder Feen gutmachen zu lassen, was menschliche Unzulänglichkeit verschuldet hatte. Bei Nestroy aber wurde nicht verziehen, und wenn der Theaterdirektor es partout verlangte, so wirkte das obligate ’versöhnliche Schlussbild’ wie beispielsweise im Lumpazivagabundus als leere Formalität.

Der handschriftliche Nachlass seines Werkes «Der böse Geist Lumpazivagabundus » beweist, dass die Unverbesserlichkeit der Wirtshausszenen zuerst da war, d.h. die Rahmenschablone, welche die Feen und Geister für einen guten Ausgang sorgen liess, ist ein nachträgliches Zugeständnis an den Geschmack der damaligen breiten Publikumsschicht.»

Wenn wir den Lumpazivagabundus in einer eigenen Dialektfassung zur Aufführung bringen, entspricht das nicht nur einer Gepflogenheit unserer Theatergesellschaft in den letzten Jahren. Es sei hier daran erinnert, dass auch Nestroy sich nicht der Schriftsprache, sondern des wienerischen Dialektes bediente, um seine Zuschauer voll ins Geschehen miteinzubeziehen.

Ist es Nestroy gelungen, das Leben - kritisch betrachtet - in einem Stück voller Humor und Witz einzufangen, so hoffen wir Stanser Spielleute, seine Zauberposse in unserm Jubiläumsjahr den Zuschauern mit eben diesem Humor nahezubringen.

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